Sind wir entschieden genug?

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// Gedanken zu unserer Gesellschaft und der eigenen Verantwortung

coffee-to-go. Arbeit im Zug. Da bleibt doch was auf der Strecke.

Warum habe ich diesen Monat nicht so viel Sport gemacht, wie ich mir eigentlich vorgenommen habe? Wann habe ich das letzte Mal bei meinen Großeltern vorbeigeschaut? Warum war ich wieder beim Fast Food Restaurant, obwohl ich doch diese Woche gesünder essen wollte? Und weshalb habe ich trotz der bedenklichen Monopolstellung und fraglichen Arbeitsbedingungen wieder bei amazon bestellt?
Klar, jeder von uns hat am Tag nur 24 Stunden Zeit, von denen etwa 11 für Schlafen, Körperpflege und Essen gebraucht werden und geschätzt 6 weitere für Arbeit oder Bildung. Bleiben lediglich 7 Stunden. Und die sind immer schneller weg als es einem lieb ist. Wir haben eben nicht alle Zeit der Welt.
Man muss Prioritäten setzen und dabei müssen zwangsläufig Abstriche gemacht werden. Das gehört zum Menschsein dazu. Dennoch möchte ich hier einen kleinen aber feinen Unterschied machen.
Täglich treffen wir etwa 20.000 Entscheidungen. Die meisten davon fällen wir unbewusst, empirisch und in kürzester Zeit. Da passiert es schnell mal, dass etwas, das uns eigentlich wichtig ist, unter den Tisch fällt. Welche Wahl wir treffen hängt oftmals mit unserer Bequemlichkeit zusammen. „Wenn es draußen regnet, gehe ich eben an einem anderen Tag joggen“ und „Anstatt das Buch in der Stadt zu kaufen, bestell ich es lieber online und lass es mir an die Haustür liefern“. Das Prinzip an sich ist gut. Wir versuchen den einfachsten Weg von A nach B zu gehen, um dadurch Zeit, Geld, Stress oder Arbeitsaufwand zu sparen. Doch diese Abkürzungen haben fast immer einen Preis. Genau an dieser Stelle gilt es zu differenzieren:
Ein Beispiel: Wenn ich heute lieber Kleider kaufen gehe anstatt für meine anstehende Prüfung zu lernen, ist der Preis dafür, dass ich eventuell nicht gut genug vorbereitet bin und die Klausur nicht bestehe und ein paar Euro weniger in der Tasche habe. Die Konsequenz dafür habe allein ich zu tragen. Falls ich mich, um Geld zu sparen, dazu entscheide heute Klamotten bei PRIMARK zu kaufen, ist der Preis dafür erschreckend klein. Klein zumindest für mich. Den tatsächlichen Preis zahlen andere. Der Unterschied liegt darin, ob man mit seiner Entscheidung Verantwortung für Mitmenschen, Lebewesen und Umwelt zu tragen hat, oder nicht. Wenn dies der Fall ist, ist man meiner Meinung nach verpflichtet, nicht nach dem oben genannten Prinzip zu handeln, sondern eine bewusste und vertretbare Entscheidung zu treffen.Gesellschaft; Stadt; Zivilisation
Leider erschweren die Ideal- und Wertvorstellungen unserer heutigen Gesellschaft oftmals eine klare Sicht auf die Dinge und somit auch eine möglichst freie Entscheidung. Wir sind geblendet von den schier unendlich erscheinenden Möglichkeiten unserer „Überholspurgesellschaft“, von unserem unstillbaren Konsumbedürfnis und von dem scheinbaren Wohlstand der westlichen Welt, der auf den Schultern anderer lastet. Wir brauchen ständig etwas Neues, immer nach dem Motto „höher, schneller, weiter“. Alles muss immer besser als der Vorgänger sein und wird nur noch produziert um möglichst bald den Geist aufzugeben. Und diesem Motto passen wir unsere gesamte Lebensweise an. Noch höher auf der Karriereleiter klettern. Noch schneller mal zwischendurch den x-ten leer geschlürften Coffe-To-Go-Becher in die Tonne werfen. Und was ist mit weiter denken? Habe ich mir bei meinem letzten Einkauf Gedanken darüber gemacht, was in den Produkten steckt? Wo sie herkommen? Ob der Preis gerechtfertigt ist? Mal abgesehen davon: Brauche ich das überhaupt? Wofür arbeite ich, wofür mache ich Überstunden und wofür arbeite ich nach der Arbeit während der Zugfahrt nach Hause noch weiter? Nur um Geld zu haben, das ich dann gedankenlos für Dinge ausgebe, die ich gleich wieder wegwerfe? Sind Wohlstand, Konsum und Karriere um jeden Preis wirklich unsere vorrangigen Ideale? Dabei bleibt doch irgendwas auf der Strecke.Silhouetten vor Sonne
Aber nicht den Geist aufgeben. Was wir tun können, ist einen Schritt zurück zu machen, wenn es um Entscheidungen geht. Das Ganze mit vollem Bewusstsein betrachten, abwägen welche Auswirkungen unser Handeln hat und Verantwortung übernehmen. Vielleicht sollten wir „höher, schneller, weiter“ umdenken zu „bewusster, verantwortlicher, bedachter“.

Zukünftig werden weitere vertiefende Beiträge folgen, die konkreter auf die einzelnen angesprochenen Themen eingehen. Außerdem möchte ich an dieser Stelle auf das Kabarett-Programm LIEBE von Hagen Rether aufmerksam machen, welches die Inspiration zu diesem Beitrag geliefert hat.

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