Fleisch ist kein Gemüse

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// Warum „echtes“ Fleisch imitiert wird

Als eingefleischter Veganer wird man immer wieder mit der Frage konfrontiert, warum die veganen Fleischprodukte „echtes“ Fleisch nachahmen. Ich möchte darauf eine möglichst umfassende Antwort geben und Vorurteile bezüglich der „Fleisch-Imitate“ klären.

Mandel-Nuss-Tofu
Mandel-Nuss-Tofu

Alternativen zu tierischem Fleisch gibt es viele. Ich möchte an dieser Stelle die bekanntesten kurz vorstellen. Das ist zum einen Tofu. Er besteht aus Sojabohnen beziehungsweise Sojamilch und ist in verschiedenen Formen und Geschmacksrichtungen erhältlich. Im Zusammenhang mit Soja kommt oft die Kritik auf, es wäre umweltschädlich und führe zur Rodung des Regenwaldes. Das ist auch völlig richtig. Der Großteil der weltweiten Soja-Ernte wird jedoch in Form von Sojamehl als Tierfutter verwendet und landet in der Tierfleisch-Industrie. Die vegetarischen oder veganen Soja-Lebensmittel machen nur einen verschwindend geringen Teil aus. Außerdem ist es beim Einkauf empfehlenswert auf Produkte aus Bio- und EU-Landwirtschaft zu achten, um genmanipuliertem Soja aus dem Weg zu gehen und um den Regenwald zu schonen. Aus Sojabohnen werden auch die Fleisch-Alternativen „Tempeh“ und „Sojafleisch“ hergestellt.

Knäckebrot mit Tofu und Sprossen
Knäckebrot mit Tofu und Sprossen

Als weitere Ersatzmöglichkeit hat sich Seitan einen Namen gemacht. Es besteht aus Weizengluten und ist daher leider nicht für Menschen mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) geeignet. Seitan hat eine sehr fleischähnliche faserige Konsistenz und lässt sich vielfältig verwenden. Es ist in den meisten Bio-Läden erhältlich, mittlerweile auch in einigen Supermärkten und ist sehr einfach in der Zubereitung.

Seitan mit Blumenkohl und Champignons
Seitan mit Blumenkohl und Champignons

Doch warum imitieren vegane Alternativen die tierischen „Vorbilder“? Die herkömmlichen Tierfleischprodukte sind praktisch und haben sich bewährt. So passt eine Wurst perfekt auf ein Hot-Dog-Brötchen, Patties gehören zu Burgern und Hackfleisch harmoniert ausgezeichnet mit Spaghetti. Da liegt es Nahe, diese Formen einfach zu übernehmen. Und mal ganz ehrlich, wem fällt denn schon spontan eine andere sinnvolle Variante ein, die es noch nicht gibt? Das Rad lässt sich nicht einfach neu erfinden. Außerdem sind Soja und Tofu seit Jahrhunderten Bestandteil der traditionellen Küche asiatischer Länder. Sie existieren also schon lange, verbreiten und entwickeln sich aber erst jetzt in solch einer Menge und Vielfalt auf dem deutschen Markt.

Gemüse-Filet-Streifen aus Soja
Gemüse-Filet-Streifen aus Soja

Zudem können durch die Annäherung der veganen Alternativen an tierische Fleischprodukte eingeübte Gewohnheiten überlistet werden, was die Umstellung auf vegane oder vegetarische Ernährung erleichtert. Hier ein Beispiel: Ein Mensch, für den Fleischkonsum seit seiner Kindheit üblich war, entscheidet sich aus ethischen Gründen dazu auf pflanzliche Kost umzusteigen. Wenn er nun jedoch durch Gerüche oder sonstige Einflüsse, wie etwa einen Currywurst-Stand auf dem Markt, wieder an Speisen oder gar Lieblingsgerichte von früher erinnert wird, kann es schwer fallen zu widerstehen. Eine pflanzliche Alternative kann seinen Heißhunger stillen, ohne dass er dabei seine moralischen Werte vernachlässigen muss. Die Vielfalt an Ersatzprodukten und die Nachahmung von Tierfleisch kann außerdem dazu führen, dass auch Fleischliebhaber öfter zur veganen Variante greifen, da sie fast gleich oder zumindest ähnlich schmecken wie ihre Vorbilder. Das hat wiederum positiven Effekt auf die Umwelt, da die Herstellung von pflanzlichen Alternativen laut einer gemeinsamen Studie des Vegetarierbund Deutschland (VEBU) und Greenpeace Österreich deutlich ressourcenschonender ist, als die Erzeugung von tierischen Fleischprodukten.

Die veganen Fleischalternativen haben in meinen Augen eine eindeutige Daseinsberechtigung. Ob diese nach ihren Vorbildern benannt werden oder nicht ist Geschmacksache. Sicher ist aber, dass sie schon seit vielen Jahrhunderten hergestellt werden und sowohl aus ethischen Gründen als auch wegen ihrer Umweltfreundlichkeit mit den „echten“ tierischen Lebensmitteln konkurrieren sollten.

Und wer noch immer nicht überzeugt ist, sollte mal über Fleischsalat nachdenken… 😉

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