10 Milliarden – und noch viel mehr

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Audiobeitrag gesprochen von Gereon Nußbaum.

// Wie werden wir alle satt?

Obst_und_Gemüse

Vor kurzem habe ich den Dokumentarfilm „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ von Valentin Thurn im Kino gesehen. Der Streifen hat nicht nur einen visuellen Eindruck hinterlassen sondern hat auch zum nachdenken angeregt. Wie viele Menschen müssen auf unserer Erde hungern? Werden in Zukunft noch genug Nahrung und Rohstoffe für „alle“ vorhanden sein? Kann die konventionelle Landwirtschaft diesen Hunger langfristig stillen und welche Alternativen haben wir? Zu Fragen wie diesen bietet der Film reichlich Information und teilweise Antworten oder Ansätze zur Lösung seiner Thematik – Wie werden wir alle satt?

Auch wenn ich mich nicht an alle Details des Films erinnern kann, möchte ich hier wiedergeben, was in meinem Kopf hängen geblieben ist und eigene Gedanken sowie Recherchen mit einfließen lassen:

Im Jahr 2050 wird unsere Weltbevölkerung Statistiken zu Folge etwa 10 Milliarden Menschen betragen. Einige nicht erneuerbare Rohstoffe werden mit der Zeit zur Neige gehen und wir werden Ressourcen von drei Erden im Jahr verbrauchen. Dieses Jahr haben wir den Welterschöpfungstag bereits am 19. August erreicht. Wir haben unseren Planeten also innerhalb von etwa 9 Monaten so sehr belastet wie er in einem Jahr gerade so verkraften könnte. Wir, das sind im Moment rund 7,4 Milliarden Menschen. Zwei Milliarden davon leiden an Mangelernährung. 795 Millionen hungern.Champignons

Die konventionelle (= herkömmliche) Landwirtschaft versucht auf verschiedenen Wegen möglichst ertragreich zu produzieren aber verbraucht dabei unglaublich viele Ressourcen und ist weder effektiv noch nachhaltig. Bevor zum Beispiel ein Stück Fleisch auf dem Teller landet, müssen dafür Unmengen an Wasser und Futtermitteln aufgewendet werden. Obendrein sind die Lebensbedingungen der Tiere in der Massentierhaltung unwürdig und höchst bedenklich. Die Futtermittelproduktion beansprucht etwa ein Drittel der weltweiten Ackerflächen. Von den zum Teil umweltschädlichen Düngemitteln, deren Rohstoffe in einigen Fällen bald aufgebraucht sein werden, sowie giftigen Pestiziden ganz zu schweigen. Die Abhängigkeit vieler Landwirte von großen Konzernen schafft außerdem auch existenzielle Unsicherheiten für Kleinbauern auf der ganzen Welt. Hinzu kommen sowohl die Agrarsubventionen, die allein in der EU etwa 60 Miliarden Euro betragen und in anderen Ländern regionale Bauern gegenüber europäischen Importeuren benachteiligen, als auch die Preisschwankungen und -spekulationen an der Börse. So erlebten 2008 vor allem Länder in Asien und Afrika, aufgrund ansteigender Nahrungsmittelpreise, eine Ernährungskrise, die zu großen Aufständen und Protesten führte. Bei uns wurden diese Ereignisse jedoch von der Präsenz der Finanzkrise in den Medien überschattet. In Deutschland wirtschaften über 90 Prozent aller Landwirte konventionell.Kürbisse

Forschung und Wissenschaft sind dabei Getreidesorten gegen sämtliche Umwelteinflüsse wie Hochwasser, hohen Salzgehalt usw. resistent zu machen, züchten ertragreiche Hybride, erzeugen im Labor aus nur wenigen Zellen Fleisch-Patties oder lassen Gemüse nahezu ohne Umwelteinfluss steril und kontrolliert wachsen. Die meisten Gensorten müssen jedoch von den Landwirten nach der Ernte wieder neu gekauft werden, da sie nicht nachwachsen, wie natürliche Sorten. Dadurch spitzt sich die Bindung der Landwirte an die Konzerne zu und die ursprüngliche Artenvielfalt geht verloren. Die Preise für die künstlichen Fleisch-Patties werden erst in etwa 10 Jahren ein marktfähiges Niveau erreichen und auch die anderen Ansätze sind nicht für die gesamte Weltbevölkerung förderlich, da sie schlichtweg zu teuer sind. Hinzu kommen die noch unerforschten Langzeitauswirkungen auf Mensch und Umwelt.verschiedenes Gemüse

Der weltweite Handel mit Nahrungsmitteln schafft zusätzliche Abhängigkeiten und Unsicherheiten. Viele Länder sind stark auf Importe aus anderen Ländern angewiesen. So stand zum Beispiel Großbritannien nur wenige Tage vor einer Nahrungsmittelkrise, als Mitte März 2010 der Vulkan Eyjafjallajökull in Island ausbrach und der Flugverkehr in Großbritannien eingestellt wurde.

Alle vorher genannten Herangehensweisen an die Lösung des Welthungerproblems erscheinen zwar auf kurze Zeit effektiv, sind aber langfristig nicht nachhaltig, nicht stabil, gefährden sowohl unsere Umwelt als auch unsere Gesundheit und sind nur für einen Teil der Menschheit erschwinglich. Um unsere Ressourcen und die Natur zu schonen und auch um unserer Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen gerecht zu werden, müssen wir umdenken. Dazu erfordert es eine biologische Landwirtschaft, die nachhaltig, umweltschonend und gerecht ausgelegt ist und nicht nur auf maximalen Ertrag aus ist. Außerdem müssen Prozesse, bei denen viel Energie verloren geht, wie zum Beispiel in der Fleischproduktion, minimiert werden. Abhängigkeiten werden durch regionalen, saisonalen Anbau eingedämmt. Ein gutes Vorbild liefert die „Transition Town“ Totnes in England. Um die Region zu fördern wurde dort eine stadteigene Währung eingeführt. So kursiert das Geld größtenteils in der Stadt und gelangt nicht über große Supermarktketten oder anderweitig nach außerhalb.Avocados

Was der / die Einzelne tun kann? Seltener und „besseres“ (Bio) Fleisch konsumieren oder ganz darauf verzichten. Beim Einkauf darauf achten regionale und saisonale Waren in den Wagen zu legen. Warum nicht einfach mal selber Tomaten und anderes Gemüse auf dem Balkon anpflanzen? Oder gleich eine Hofgemeinschaft mit Solidarischer Landwirtschaft gründen? Was das ist? Dabei schließt sich eine Gruppe von Privatpersonen zusammen um einen landwirtschaflichen Betrieb zu finanzieren und erhält im Gegenzug dessen Ernteertrag. Es gibt also viele Möglichkeiten selbst aktiv zu werden und in kleinen Schritten einen großen Teil zur Bewältigung des Welternährungsproblems beizutragen.

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